Man kann es nicht allen recht machen – und das ist auch gut so
Kennst du das? Du sagst Ja, obwohl du Nein meinst. Du übernimmst noch eine Aufgabe, obwohl du längst überlastet bist. Oder du grübelst lange darüber nach, ob jemand enttäuscht von dir sein könnte.
Willkommen im Leben vieler Menschen mit einem starken Harmoniebedürfnis – oder einem gut trainierten inneren Kritiker. Der Wunsch, es allen recht zu machen, ist zutiefst menschlich. Doch er hat seinen Preis. In diesem Artikel schauen wir genauer hin: Warum wollen wir überhaupt allen gefallen? Warum funktioniert das nicht? Und wie gelingt es, sich davon zu befreien – ohne rücksichtslos zu werden?
Woher kommt der Drang, allen gefallen zu wollen?
Schon als Kinder lernen wir: Anerkennung gibt Sicherheit. Wenn wir brav sind, angepasst, gefallen – werden wir gesehen und geliebt. Dieses Muster verankert sich tief in unserer Persönlichkeit. Es bleibt oft unbewusst und wirkt auch dann weiter, wenn wir längst erwachsen und selbstständig sind.
In der Arbeitswelt zeigt sich dieses Muster häufig bei Menschen mit hoher Verantwortung: Sie wollen niemanden enttäuschen, Konflikte vermeiden, für alle da sein. Doch hinter diesem "Alles-für-alle"-Modus steckt oft die Angst, nicht zu genügen – oder abgelehnt zu werden.
Der Versuch, es allen recht zu machen, ist ein Schutzmechanismus. Doch er funktioniert nicht. Warum?
Es funktioniert nicht – weil Menschen verschieden sind
Wir leben in einer vielfältigen Welt. Unterschiedliche Meinungen, Werte, Erwartungen. Was der eine gut findet, lehnt der andere ab. Was dich begeistert, lässt jemand anderen kalt.
Wenn wir versuchen, all diese Perspektiven unter einen Hut zu bringen, verlieren wir etwas Entscheidendes: uns selbst. Unsere Klarheit. Unsere Haltung. Unsere Grenzen.
Ein Beispiel aus der Beratung: Eine Führungskraft, die ständig zwischen den Bedürfnissen des Teams und den Anforderungen der Geschäftsleitung vermittelt – ohne je klar Stellung zu beziehen. Die Folge? Erschöpfung, Unsicherheit, und ein Team, das Orientierung vermisst.
Erst als sie lernte, klare Entscheidungen zu treffen – auch auf die Gefahr hin, nicht jedem zu gefallen – gewann sie an Respekt und innerer Ruhe.
"Mit jedem Gedanken, den ich denke, baue ich mein Glück und mein Selbstvertrauen. Ich bin mutig, stark und wunderbar genau so, wie ich bin."
Warum es befreiend ist, nicht allen zu gefallen
Die Erkenntnis, dass man nicht allen gefallen kann, ist kein Scheitern – sondern ein Entwicklungsschritt. Sie bedeutet:
Ich darf Grenzen setzen.
Ich muss mich nicht verbiegen.
Ich bin verantwortlich für mein Verhalten – nicht für die Gefühle anderer.
Es geht nicht darum, rücksichtslos zu werden oder kein Interesse mehr an Mitmenschen zu haben. Sondern darum, nicht das eigene Wohl zu opfern, um im Außen zu gefallen. Sich abzugrenzen bedeutet, sich selbst ernst zu nehmen. Und paradoxerweise führt genau das oft zu mehr Authentizität, Klarheit – und sogar mehr echter Verbindung.
Wie du gesunde Abgrenzung im Alltag lernst
Hier einige Impulse, die sich in der Praxis bewährt haben:
- Mach dir bewusst, dass Ablehnung normal ist. Es ist unmöglich, von allen gemocht zu werden – und das muss auch nicht sein.
- Beobachte deine Muster: Wann sagst du Ja, obwohl du Nein meinst? Was steckt dahinter?
- Formuliere deine Werte: Was ist dir wirklich wichtig? Worauf möchtest du dich ausrichten?
- Übe Nein sagen in kleinen Schritten. Ohne Erklärung. Ohne Rechtfertigung. Einfach, klar, freundlich.
- Reflektiere deinen Selbstwert: Du bist nicht weniger wert, nur weil jemand enttäuscht ist.
In meinen Workshops arbeite ich mit Teilnehmer:innen genau an diesen Punkten – häufig mit Aha-Momenten. Denn viele merken: Ich darf bei mir bleiben, ohne egoistisch zu sein.
Was wirklich zählt
Du kannst es nicht allen recht machen – aber dir selbst. Und das ist genug. Wer lernt, in sich selbst Klarheit zu finden, strahlt das auch nach außen aus. Nicht alle müssen dich mögen. Aber du solltest dich selbst achten.