Wenn ich nicht mehr weiter weiß – bilde ich einen Arbeitskreis?
Es klingt fast wie ein Spruch aus einem Kabarettprogramm: "Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bilde ich einen Arbeitskreis." Meist wird er mit einem Augenzwinkern verwendet – als Kritik an scheinbarer Tatenlosigkeit oder endlosen Besprechungsschleifen. Aber was, wenn in diesem Satz ein tieferer Sinn steckt?
Denn wenn wir ehrlich sind: Die meisten Durchbrüche entstehen nicht im stillen Kämmerlein – sondern im Gespräch. Im gemeinsamen Denken. Im Zuhören. Im Spiegeln. Genau das passiert, wenn Menschen sich zusammentun, um neue Perspektiven zu gewinnen. Und manchmal ist es genau diese kollektive Intelligenz, die es uns ermöglicht, aus alten Denkmustern auszubrechen und ungeahnte Wege zu entdecken.
Woher kommt das Sprichwort – und was bedeutet es wirklich?
Der Spruch stammt ursprünglich aus der Verwaltungssprache – und wurde oft belächelt. Arbeitskreise galten als langsam, wenig entscheidungsfreudig und teils überflüssig. Doch das greift zu kurz.
Ein "Arbeitskreis" ist in seiner ursprünglichen Idee ein Ort des Dialogs. Ein geschützter Rahmen, in dem Menschen Wissen, Erfahrungen und Sichtweisen einbringen, um gemeinsam Lösungen zu finden. Was daran falsch sein soll?
Gerade in einer Welt, in der wir oft das Gefühl haben, alles allein schaffen zu müssen, ist der bewusste Schritt in den Austausch ein Akt der Stärke – nicht der Schwäche. Es zeigt, dass wir bereit sind, andere einzubeziehen, andere Perspektiven zuzulassen und uns selbst zu hinterfragen – das sind in Wahrheit Führungskompetenzen.
Austausch wirkt – auch außerhalb von Therapie & Selbsthilfe
Wir kennen das Prinzip aus der Selbsthilfe: Menschen mit ähnlichen Herausforderungen treffen sich regelmäßig, teilen Erlebtes, geben sich Halt. Ob bei Sucht, Krankheit oder Lebenskrisen – Selbsthilfegruppen gelten als wirksame Ressource.
Aber dieses Prinzip wirkt weit über die psychologische Ebene hinaus. Auch im beruflichen Kontext – bei Führung, Teamarbeit, Veränderungsprozessen – ist der Austausch entscheidend.
Wer redet, klärt. Wer fragt, versteht mehr. Wer zuhört, fühlt sich verbunden. Und das wiederum fördert Resilienz und Handlungskompetenz.
Beispiele aus meiner Praxis:
- Eine Führungskraft, die im kollegialen Austausch plötzlich erkennt, dass auch andere mit denselben Ängsten kämpfen.
- Eine Mutter, die im Gespräch mit anderen Eltern spürt: Ich bin nicht allein mit meinen Zweifeln.
- Ein Berater in Ausbildung, der durch ein „Plaudereck“-Gespräch neue Klarheit über seine Berufung gewinnt.
Das Plaudereck der ARGE-ÖVLSB Niederösterreich – gelebte Verbindung
Genau aus diesem Geist heraus entstand das Plaudereck der ARGE-ÖVLSB Niederösterreich. Ein regelmäßiges Format, das zum offenen Austausch einlädt – für Lebens- und Sozialberater:innen, Berater:innen in Ausbildung und Interessierte.
Hier geht es nicht um PowerPoint-Präsentationen oder Expertenvorträge. Es geht ums Zuhören, um echte Begegnung auf Augenhöhe. Um Fragen, Zweifel, Erfahrungen – und die heilsame Wirkung des Miteinanders. Es entsteht ein Raum, der stärkt, ordnet, motiviert und oft neue Türen öffnet.
Viele Teilnehmende berichten, dass sie durch das Plaudereck neue Kraft, neue Ideen und vor allem: neue Verbindungen mitnehmen. Es entsteht ein Netzwerk, das nicht auf Konkurrenz, sondern auf Vertrauen basiert. Gerade im beratenden Berufsfeld ist das von unschätzbarem Wert – denn wir alle brauchen manchmal ein Gegenüber, das uns versteht, ohne zu urteilen.
Wirkungsvolle Führung braucht mehr als Verstand.
Vom „Ich muss das alleine lösen“ zum „Wir denken gemeinsam“
Gerade in stressigen Zeiten neigen viele dazu, sich zurückzuziehen. Bloß keine Schwäche zeigen. Lieber erst dann reden, wenn eine Lösung gefunden ist.
Doch genau das verhindert oft Entwicklung. Denn im Kopf kreisen Gedanken – und oft dreht sich alles nur im Kreis. Im Gespräch mit anderen aber entstehen neue Blickwinkel. Neue Ansätze. Neue Ermutigung. Und: neue Hoffnung.
Ob im Teammeeting, im Supervisionskreis, in einem Netzwerktreffen oder beim Plaudereck: Wir brauchen Räume, in denen echtes Denken erlaubt ist – auch ohne sofort eine perfekte Antwort zu haben. Wo man einfach sagen darf: „So geht’s mir gerade“ – und ein anderer sagt: „Ich kenne das.“ Allein das verändert schon etwas.
"Mit jedem Gedanken, den ich denke, baue ich mein Glück und mein Selbstvertrauen. Ich bin mutig, stark und wunderbar genau so, wie ich bin."
Also: Wenn du mal wieder nicht mehr weiterweißt – such dir einen Kreis. Einen echten. Einen, in dem du sein darfst. Und hör auf, alles allein zu schultern.
Austausch ist keine Schwäche – sondern eine Form von gelebter Intelligenz.
Vielleicht sehen wir uns ja beim nächsten Plaudereck? Ich freue mich auf das gemeinsame Denken mit dir: Zur Terminübersicht